
Ich bin jetzt seit gut zwei Wochen wieder in Deutschland. Viel Zeit zum Nachdenken über mein halbes Jahr in China gab es noch nicht, das kulturweit-Nachbereitungsseminar und die Wohnungssuche in Bayreuth kamen dazwischen.
In meinem Zimmer steht immer noch der riesige Koffer aus China. Halb ausgepackt.

Kleines Update:
Seit gut einer Woche wohne ich jetzt in Shanghai, der Umzug ging schnell über die Bühne. Obwohl es ein wenig anstrengend war, mit zwei Koffern und einem Rucksack über chinesische Bahnhöfe zu hetzen. Ich residiere nun in einer schönen Wohnung im 27. Stock mit einem großartigen Blick (siehe oben) auf den westlichen Teil von Shanghai, dieser unglaublich krassen Riesenmetropole.
Montag war erster Arbeitstag in meiner neuen Einsatzstelle, dem Goethe Institut Shanghai. Genauer: “Abteilung Kultur und Bildung des Generalkonsulats der Bundesrepublik Deutschland”.
Vermisse ich Zhenjiang? Geht. Was ich vermisse ist die Arbeit mit den Schülern, die mir sehr ans Herz gewachsen sind.
Cherio.

Noch zwei Tage Zhenjiang, dann ziehe ich nach Shanghai um. Mit dem Packen habe ich gestern schon begonnen. Den ganzen Krempel, der sich in den dreieinhalb Monaten so angesammelt hat, in den Koffer zu quetschen ist alles andere als einfach. Denn der gute DVD-Player für umgerechnet neun Euro muss natürlich mit nach Shanghai. Ebenso die Wanddekoration, der Wasserkocher und überhaupt.
Zwei Tage also noch. Meine Schüler sind sehr traurig. Sie werden mich vermissen, haben sie gesagt. Ich sie auch. Dennoch liegen noch zwei großartige Monate in China vor mir, auf die ich sehr gespannt bin.

Wenn ich auf meinem kleinen Balkon stehe und nach links schaue, habe ich den Blick wie auf dem Foto. Ich gucke dann auf das Terrain außerhalb der Schule. Und was man dort sieht, ist interessant. Denn die Beete gehören zu einer kleinen Siedlung, die direkt an die Schulmauern grenzt. Auf meine Frage, ob die Schule heute auf einem Gebiet steht, das früher einmal auch zu der Siedlung gehörte, konnte, oder wollte man mir bisher keine direkte Antwort geben. Man kann also davon ausgehen, das Teile der Siedlung platt gemacht wurden und dann die Schule gebaut wurde.
Das Foto ist aber nicht nur deshalb interessant - sondern auch weil momentan eine breite Straße gebaut wird, was man auf dem Foto sehr gut erkennen kann. Schon verrückt: Auf der einen Seite jäten alte Frauen mit Hut Unkraut - und auf der anderen Seite kommt der technologische Fortschritt vorbei und baut eine Straße. Als ich hier angekommen bin war dort, wo jetzt die Straße gebaut wird, übrigens noch gar nichts. Ein paar Bäume und so Krams. Mehr nicht. Da aber jetzt Tag und Nacht (!) gebaut wird, ist die Straße wahrscheinlich in ein paar Wochen fertig.

Herrlichstes Wetter. Einziger Programmpunkt heute: Abends zwei Stunden unterrichten. Also bis dahin auf in den Jinshan Park (金山公园).

Letzten Freitag, im Taxi auf dem Weg zum Bahnhof. Auf einmal fährt der Taxifahrer rechts ran, murmelt irgendwas und steigt aus. Sekunden später kommt von hinten ein Mann auf einem Moped angesaust, in der Hand eine Flasche Motoröl. Der Taxifahrer öffnet die Motorhaube, füllt Öl nach, schließt die Motorhaube wieder, bedankt sich bei seinem Kumpel auf dem Moped, steigt zurück ins Taxi und fährt weiter.
Das Gemurmel bedeutete anscheinend: “Ich muss mal kurz Öl nachfüllen, dauert nicht lange.”
China, Du bist großartig!
Gestern auf dem Weg zurück zur Schule einfach mal das iPhone rausgeholt und ein kleines Video gemacht.
Donnerstagabend. Auf meinem Schreibtisch liegen Bewerbungen von sechs meiner Schüler. Bewerbungen für einen dreiwöchigen Sommerkurs in Deutschland. Vollstipendium. Klar schau ich mir die mal an, habe ich gesagt. Ein paar kleine Korrekturen hier, ein Komma da. Morgen früh werden zwei-Minuten-Clips gedreht. Ein Video und ein paar Zeilen Motivationsschreiben sind die Vorraussetzungen für die Bewerbung. Ich bin gespannt, ob jemand von meiner Schule angenommen wird. Einem wünsche ich es ganz besonders, er fragt mich einmal pro Woche, ob er irgendwann einmal nach Deutschland kann. Er soll einen Platz bekommen. Bitte.
Kalt ist es heute. 19 Grad sollten es werden. 19 Grad wurden es nicht. Letzte Woche war zwischendurch mal kurz Sommer. Jetzt ist eher so Hamburg-November. Nicht schön.
Motivationsschreiben durchgeschaut. Das wird schon. Klingen gut.
Im Zimmer. Cluesos neues Album tönt aus den kleinen Boxen, die natürlich Platz im Koffer hatten. Ging nicht anders. Die mussten mit. Warum ich das “Einführung in die Wirtschaftsmathematik”-Buch im Endeffekt dann doch mitgenommen habe, weiß ich nicht. Ich will mich vorbereiten aufs Studium, habe ich gesagt.
Heute Mittag gabs Fisch. Warum schreibe ich das? Keine Ahnung.